Der NABU Donsbach hatte zu seiner jährlichen Jahreshauptversammlung in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Der Vorsitzende Frank Markus Dietermann konnte dort Mark Harthun begrüßen. Harthun ist beim NABU-Landesverband Hessen Geschäftsführer für den Bereich Naturschutz. Dem NABU Donsbach war es wichtig zu erfahren, wie der aktuelle Sachstandsbericht für die hessischen Wälder aussieht.

Harthun, der weit über die hessischen Grenzen hinaus für sein hohes Fachwissen bekannt ist, erläuterte anhand einer Präsentation den Zustand der Wälder in Hessen. Dabei ging er zunächst auf die
Grundlagen der Artenvielfalt im Wald ein. Er führte aus, dass seit 2018 rund 90.000 Hektar, also etwa 10 Prozent der hessischen Wälder, abgestorben seien. Dies sei vor allem auf die fehlende
Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel, die vermehrte Freisetzung von zuvor gebundenem Kohlendioxid sowie auf ein unvollständiges Ökosystem zurückzuführen, da alte Baumbestände mit einem Alter
von mehr als 120 Jahren fehlten.
Durch diesen Negativtrend verringere sich die Artenvielfalt. Gerade alte Bäume dienten vielen Tier- und Vogelarten als Heimat. Auch Totholz und Baumpilze seien Lebensraum für über 600
Insektenarten. Die Strukturen, die sich erst in Altholzbeständen bildeten, fehlten. Eines von vielen Beispielen sei die Rinde der Buche, die erst spät eine raue Struktur ausbilde und dann für den
Mittelspecht zur Nahrungssuche wichtig sei. In Naturwäldern gebe es etwa 250 solcher Strukturen, während ein Wirtschaftswald nur etwa 50 aufweise.
Ein weiteres Beispiel sei die Mopsfledermaus, die unter abblätternder Rinde Kolonien bilde. Da sie zum Schutz vor Prädatoren täglich zu einem anderen Baum umziehe, brauche eine Kolonie rund 40
Bäume mit abblätternder Rinde in der näheren Umgebung. Weiter könne, so Harthun, die Habitatkontinuität für Insekten ohne Altholzbestände nicht gewährleistet werden. So könnten im Nationalpark
Kellerwald-Edersee noch 36 von 120 sogenannten Urwaldreliktarten nachgewiesen werden. Käfer benötigten dieselben Strukturen in einem Umkreis von 500 Metern, andernfalls würden sie
aussterben.
Die Dürresommer hätten dazu geführt, dass klimaangepasste Baumarten erforscht würden. Leider rate die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt zu Risikobäumen wie der Douglasie, die zwar für
die Forstwirtschaft von Vorteil sei, jedoch keine einheimische Art darstelle. Der NABU rate unter anderem zur Buche. Das Kronendach der Wälder müsse dicht bleiben. Falsch sei es, so Harthun, wenn
der Forst allein auf die Verjüngung der Wälder setze. Dann werde nur auf den schnellen Wuchs der Bäume geschaut, um diese nach wenigen Jahrzehnten wieder zu fällen. Wichtig sei vielmehr, dass
sich die Wälder selbst erholten. Der Vorteil liege darin, dass dadurch in späteren Jahren eine deutlich höhere Kubikmeterzahl an Holz erwirtschaftet werden könne.
In vielen anderen Bereichen sei die Politik weiter. Als Beispiel nannte Harthun, dass immer mehr Flüsse und Bäche renaturiert würden. Diese wichtige Renaturierung müsse auch dem Wald
zugutekommen. Im Gegensatz zur Renaturierung der Gewässer habe der Forst dies bei den Wäldern noch nicht erkannt.
Nach diesen sehr interessanten Ausführungen gab Frank Markus Dietermann den Bericht des Vorstandes. Leider, so Dietermann, falle der Naturschutz aktuell hinten herunter. Waren es Anfang des
Jahrzehnts die Corona-Pandemie und danach der Überfall Russlands auf die Ukraine, so sei es nun der Krieg im Iran. Dazu müsse man verstehen, dass die Menschen zunächst das Hier und Jetzt sähen.
Wenn man jeden Monat schauen müsse, wie man bei steigenden Preisen den Lebensunterhalt bestreiten könne, und zugleich mitbekomme, wo überall Krieg und Ungerechtigkeit herrschten, stünden Natur-
und Umweltschutz nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.
Hinzu komme, dass die USA unter Trump aus dem Pariser Klimaabkommen austreten würden. Und auch Deutschland lerne nichts: Trotz steigender Energiepreise werde weiter an Öl und Gas festgehalten.
Gerade jetzt müsse schnell auf regenerative Energien umgeschaltet werden. Nun dürfe wieder jeder eine Öl- oder Gasheizung einbauen, obwohl in letzter Zeit in Neubauten fast nur noch Wärmepumpen
eingebaut worden seien. Das neue Gesetz sei schlecht für die Umwelt, aber auch für viele Menschen in Mietwohnungen, die von ihren Vermietern abhängig seien und in Zukunft noch höhere Nebenkosten
zahlen müssten, wenn weiterhin mit Gas oder Öl geheizt werde.
Statt jetzt konsequent auf Sonne und Wind zu setzen, habe man in der Bundesregierung nur Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie sitzen, die das Rad zurückdrehten. Beim Land Hessen sei es, so
Dietermann, nicht besser. Dort gebe es einen Minister, dessen Ressort Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat heiße. Für Minister Jung gebe es aber
offenbar nur die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und die Jagd. Das Wort Naturschutz habe dieser anscheinend noch nicht gehört.
Das Fazit falle entsprechend wenig rosig aus: Naturschutz und Biodiversität seien zurzeit leider nur Randerscheinungen auf den politischen Bühnen. Deshalb müsse der NABU als größter
Naturschutzverband in Deutschland immer wieder auf den Artenschwund und die Klimakatastrophe aufmerksam machen - und das immer und immer wieder.
Bezogen auf den NABU Donsbach konnte dieser im vergangenen Jahr sein 40-jähriges Bestehen über das ganze Jahr hinweg feiern. Am 21. November 2025 wurde das Jubiläum auf den Tag genau nach 40
Jahren im Dorfgemeinschaftshaus groß gefeiert. Als Gast konnte der NABU Stefanie Stüber, die zweite Vorsitzende des NABU Hessen, begrüßen. Daneben gab es weitere Jubiläumsveranstaltungen. Dazu
gehörten die Winterwanderung im Januar zum Eduardsturm nach Haiger, die Kräuterbestimmung, die Frühlingswanderung mit Vogelbestimmung, die Vogelstimmenwanderung in Sechshelden, der
Fledermausabend, der Apfel- und Familientag sowie die Herbstwanderung im Oktober.
Auch in diesem Jahr würden wieder viele Exkursionen und Veranstaltungen angeboten. Natürlich habe es auch wieder Arbeitseinsätze gegeben. So sei die Fläche auf dem Ziegenberg, auf der im August
die Heide wunderschön blühe, bearbeitet worden. Ebenso sei die Fläche beim Selmbach zwischen Donsbach und Haiger freigemacht worden, und in den Naturschutzgebieten Alteberg-Sauernberg und Hasel
seien die Wacholder vom Schwarzdorn befreit worden. Auch an der Naturstation Talblick seien Arbeiten angefallen.
Im Bereich der Wiesenvögel sehe es, so Dietermann, ganz düster aus. Wiesenpieper gebe es keine mehr. Die Neuntöter mit ihren Brutpaaren in Donsbach könnten den gesamten Rückgang in Deutschland
nicht allein ausgleichen. Saßen vor Jahrzehnten noch auf jedem Baum am Rande eines Weges Goldammern, so sei man heute schon froh, bei einem Spaziergang zwei oder drei zu sehen. Insgesamt gehe die
Qualität, vor allem aber die Quantität der Singvogelarten immer weiter zurück. Die Gründe für dieses ganze Dilemma seien der menschengemachte Klimawandel sowie die Abnahme der Artenvielfalt, in
erster Linie durch die Landwirtschaft und die weiter voranschreitende Urbanisierung der Landschaft.
Sodann wurde im vergangenen Jahr ein Spiel- und Erlebnispark mit Hütte und Rutsche errichtet. Auch 2025 habe sich die Kindergruppe an jedem ersten Samstag im Monat bei der Naturstation
getroffen.
Weitere Informationen über den NABU Donsbach und den Veranstaltungskalender für 2026 gibt es unter www.nabu-donsbach.de.
